IRONMAN 70.3 WM Qualifikation in Bahrain

Bereits im Vorfeld diesen letzten Saisonrennens war für mich klar, dass ich nach der Qualifikation für „The Championship“ in Samorin nun noch die Quali für die IRONMAN 70.3 Weltmeisterschaft in Nizza im kommenden Jahr holen wollte. Nach meinem letzten Rennen in Paguera verlief die Vorbereitung immer wieder etwas holprig. Körper und Kopf waren oft müde, da sich das Jahr schon sehr lange zog. Auch die Tatsache, einen Triathlon im Dezember zu machen, war sehr ungewohnt. Nichtsdestotrotz schaffte es Coach Lubos mich wieder topfit an die Startlinie zu bringen. Wenn auch 6000 km von der Heimat entfernt.

Um sich an das Klima in Bahrain noch etwas gewöhnen zu können, reisten wir bereits am Dienstag aus dem kalten, verregneten Deutschland an. Von München ging es über London nach Manama in die Hauptstadt des Königreichs Bahrains. Dort angekommen der erste Schock: Kein Gepäck! Weder unsere Koffer noch mein Rad fanden den Weg in die Wüste. Scheinbar ist alles in London geblieben und uns wurde versichert, dass es mit der nächsten Maschine, also 24 Stunden später ankommen würde.

Nachdem unsere Sachen dann tatsächlich einen Tag drauf vollständig und unversehrt angekommen sind, konnte es endlich losgehen – das Abenteuer IRONMAN 70.3 Bahrain. Zwei kurze Laufeinheiten auf dem Laufband und mitten im Diplomatenviertel von Manama und einer Schwimmeinheit auf der Wettkampfstrecke mussten reichen, um dann, ein paar Tage später um 6.30 Uhr an der Startlinie zu stehen. Mit dem Startschuss verflog all die Aufregung und Ungewissheit, die vor so einem Rennen ja immer herrscht.

Wie bei IRONMAN so üblich, gab es den Rolling Start. Das heißt: Alle paar Sekunden dürfen ein paar Athleten ins Wasser, um die 1,9 km so schnell wie möglich bewältigen zu können. Da meine Schwimmform stimmte und ich das ganze Jahr über super Fortschritte gemacht habe, reihte ich mich gleich in die erste Startgruppe ein, um gleich von Anfang an gut weg zu kommen. Gesagt, getan – Das Schwimmen lief sensationell und bis auf ein paar Schläge und Tritte auch ruhig und gesittet. Am Ende stand eine 29:08 auf der Uhr, was eine neue Bestzeit über die Halbdistanz bedeutete.

Nach einem gelungenen Wechsel standen die 90 überwiegend flachen Radkilometer quer durch die Wüste Bahrains an. Dass es schnell werden würde zeichnete sich schon zu Beginn ab. Mit Rückenwind, guten Radbeinen und jeder Menge Motivation konnte ich Platz um Platz gut machen und fand mich schon recht bald am Ende des Profifeldes der Damen wieder ein. Die Radstrecke selbst war recht unspektakulär. Meist neben oder auf Highways und zu sehen gabs recht wenig. Einzig die Passage, bei der auf der Formel 1 Strecke von Bahrain gefahren wurde ließ die Augen größer werden. Das war schon außergewöhnlich. Vorbei an der Boxengasse, links davon die riesige Tribüne…wirklich sehr schöne Eindrücke. Auf dem Rückweg Richtung Manama war es aufgrund des Gegenwindes dann etwas härter aber im Großen und Ganzen auch halb so wild. Noch immer konnte ich einen Schnitt von über 40 km/h halten und war mir lange vor Ende des Radparts sicher, dass es eine neue Bestzeit über die 90 Kilometer geben würde. Mit meiner 2:13:38 konnte ich an diesem Tag die drittbeste Radzeit meiner Altersklasse „feiern“.

Zurück in der Wechselzone und auf den ersten Laufmetern konnte ich recht schnell Christina erkennen, die wie immer alle Zeiten und Platzierungen im Überblick (über die Ironman-App) hatte. Sie machte mir ziemlich lautstark deutlich, dass ich an 3. Position meiner Altersklasse liege, nach vorne zwei Minuten Rückstand und nach hinten gut zwei Minuten Vorsprung habe. Etwas ungläubig aber voller Motivation nutzte ich diese ungewohnte Position aus und absolvierte schnelle erste Kilometer. Zwar wurde es von Minute zu Minute heißer und voller auf der Strecke, doch allein die Tatsache, dass ich das erste Mal in meiner noch jungen „Triathlonlaufbahn“ auf Podiumskurs bei einem IRONMAN Rennen lag beflügelte mich ungemein. Meine bisherigen Konkurrenten aus Frankreich und Großbritannien könnte ich abschütteln und meinen Vorsprung weiter ausbauen. Ca. 5 Kilometer vor Schluss warnte Christina mich vor einem Bahraini, der mit einer Pace von 3:30 min/km durch das Feld „pflügte“ und mir immer näherkommt. Mich wunderte, dass ich ihn bisher nicht wahrgenommen hatte, denn auf einer Strecke bei der Runden gelaufen werden, sieht man seine Konkurrenten früher oder später. So war es dann auch. Bei Kilometer 18 habe ich ihn das erste Mal gesehen. Bei Kilometer 19 hatte er mich dann. Das Tempo konnte ich nicht lange mitgehen. Keine Chance. Am Ende ist er den schnellsten Halbmarathon unserer AK gelaufen (1:19:50) und das ist für viele inkl. mir in einem 70.3 Rennen nicht möglich. Recht schnell hatte ich mich mit dem Verlust meines 3. Altersklassenplatz abgefunden. Richtig geärgert habe ich mich nach Zieleinlauf nochmal, da mein Rückstand am Ende nur mickrige 21!!!! Sekunden betrug aber was willst du machen – so ist das Leben 😉

Der Ärger war schnell verfolgen, denn mit meiner neuen 70.3 Bestzeit von 4:18:13 belegte ich ja noch den sensationellen 4. Rang meiner Kategorie, was mir einen Startplatz bei der IRONMAN 70.3 Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Nizza bescherte. Der Traum vieler Triathleten ging für mich in Erfüllung. Jedes Jahr ist die 70.3 WM in einem anderen Land bzw. auf einem anderen Kontinent und nachdem ich dieses Jahr die WM in Südafrika verpasst hatte, war mir schnell klar, dass es dann halt nach Nizza gehen musste 🙂 Eine WM in Europa ist meines Erachtens nach noch höher einzustufen als in Amerika, Afrika oder gar Asien. Für einige sind andere Kontinente zu große Reisestrapazen, doch wenn das Ziel Nizza, Côte d’Azur heißt, wollen dort gefühlt alle hin. Die Plätze sind rar und man muss schon die Topplatzierungen der jeweiligen Altersklassen belegen, um eine Chance auf einen der wenigen „Slots“ zu haben.

Nun geht für mich eine lange Saison zu Ende. Ich habe meine langwierige Verletzung aus dem ersten Halbjahr überstanden und meine hochgesteckten Ziele erreicht. Ich habe mich für zwei von zwei möglichen Weltmeisterschaften 2019 qualifiziert und freue mich, dass ich mich kommendes Jahr mit der Elite meiner Altersklasse messen darf.

Jetzt mache ich ein paar Wochen Pause, versuche runter zu kommen, um dann mit frischen Kräften in die neue Saison zu starten.

 

 

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